ERINNERUNG: Stolpersteinverlegung in der Großen Märkerstraße
Dass sich an einem Donnerstagmorgen ungefähr 50 Menschen und etliche Pressevertreter vor unserer Regionalgeschäftsstelle einfinden, hat Seltenheitswert. Mehr noch: Es deutet auf einen besonderen, einen würdigen Anlass hin - einen Akt des Gedenkens für uns Sozialdemokrat:innen und viele weitere Bürger:innen unserer Stadt.
Am 12.03.2026 verlegte der Künstler Gunter Demnig vor der Großen Märkerstraße 6 drei Stolpersteine für Frieda, Ellinor und Otto Avemarg.
Frieda (*1911) und Otto (*1899) hatten 1931 geheiratet und zogen gemeinsam die 1928 geborene Ellinor groß. Sowohl die Jüdin Frieda als auch Otto, seit 1924 Polizist und SPD-Mitglied sowie Polizeigewerkschafter, gerieten nach 1933 in die Mühlen des nationalsozialistischen Terrorstaates. Ihr Leben in Halle war von Bedrängung, Diskriminierung und Erniedrigungen geprägt; seit 1935 wohnten sie zeitweilig in der Großen Märkerstraße 6 und waren auch dort vor gewalttätigen Übergriffen und Nachstellungen durch die Nationalsozialisten nicht sicher. Ende 1938 flohen sie nach Belgien und überlebten Weltkrieg und Holocaust denkbar knapp. Avemargs kehrten nie wieder nach Halle zurück.
Ihr Schicksal erinnert uns daran, welches Leid die Abwertung und Ausgrenzung von Menschen wegen ihrer Herkunft oder Überzeugungen mit sich bringen kann. Daran erinnern nun dauerhaft drei Messingsteine vor unserer RGS. Wir werden Avemargs ein ehrendes Andenken bewahren.
Mehr Informationen zu Familie Avemarg hier: https://www.zeit-geschichten.de/start-2/themen/nationalsozialismus-in-halle/stolpersteine-in-halle/verlegte-und-geplante-steine/grosse-maerkerstrasse-6/